Seitenblicke - 4. Tübinger Übersetzerwoche

Eröffnung der Ausstellung zum Karl-Dedecius-Preis

Grußwort Maja Pflüger
Lesung Esther Kinsky
Musik Marlena Breuer

Am 9. Mai wurde im Brechtbau mit einer Lesung von Esther Kinsky und von Schauspielern des Landestheaters Tübingen die Ausstellung zum Karl-Dedecius-Preis eröffnet, die bis zum 13. Mai in der Bibliothek des Brechtbau zu sehen war.

Die Ausstellung ehrt die Übersetzerinnen und Übersetzer deutscher Literatur ins Polnische und umgekehrt. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem ausgezeichnet: Esther Kinsky, Martin Pollack, Olaf Kühl, Renate Schmidgall, Tadeusz Zatorski, Ryszard Wojnakowski und Maria Przybyłowska.

Zur Eröffnung vor der Bibliothek auf der Liegewiese sprachen Maja Pflüger von der Robert Bosch Stiftung und Schamma Schahadat. Die musikalische Umrahmung auf dem Klangkelch präsentierte Marlena Breuer.

Die Ausstellung wurde konzipiert vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt und der Robert Bosch Stiftung.

Weitere Informationen zum Dedecius-Preis finden Sie hier.

 

 

 

Der gläserne Übersetzer

Am 10. Mai fand unter Leitung der literarischen Übersetzerin Cornelia Holfelder-von der Tann (Freiburg) der Workshop "Literarisches Übersetzen Englisch-Deutsch" mit Teilnehmern aus der Universität und der Stadt Tübingen statt. Einen Nachmittag lang konnten sich Interessierte am literarischen Übersetzen versuchen. An einem Textausschnitt aus dem Roman "The Dirty Streets of Heaven" von Tad Williams diskutierten die Teilnehmer verschiedene Übersetzungsstrategien und modellierten eine Übersetzung. Auch berufspolitische Aspekte des Übersetzens wurden angesprochen.

Imperien besuchen

Felicitas Hoppe

Lesestimme Martin Mutschler

Felicitas Hoppe und Jürgen Wertheimer diskutierten am 10. Mai abends im d.a.i. über die Kultur- und Imperienimaginationen in den Werken "Russische Reise" von John Steinbeck und "Das eingeschossige Amerika" von Jewgeni Ilf und Ilja Petrow. Neben der Auseinandersetzung um den Imperienbegriff und seine Verankerung auf der mentalen Karte europäischer Leser sprachen die Podiumsteilnehmer auch über Eigen- und Fremdwahrnehmung auf Reisen, ganz gleich ob sie real in andere Länder führen oder imaginiert über Literatur erfolgen.

Martin Mutschler trug Auszüge aus beiden Werken vor.

Michal Hvorecký: Tod auf der Donau

Michal Hvorecký
Michael Stavarič

Michal Hvorecký, der slowakische Kultautor, und sein Übersetzer Michael Stavarič, Chamisso-Preisträger des Jahres 2012, lasen am 11. Mai im Club Voltaire aus Hvoreckýs Roman "Tod auf der Donau", einer bitterbösen Satire auf die Mode der Kreuzschiffahrten auf der Donau. Während Hvorecký durch einen pointierten Vortrag einzelner Passagen glänzte und über den komplizierten Literaturbetrieb in der Slowakei sprach, gab Stavarič einen interessanten Einblick in seine Übersetzerwerkstatt und hob vor allem die Kreativität und Leserorientierung im Übersetzen hervor.

Im Café: Jenseits von Europa lesen

Das diejährige Lesecafé im Rahmen der Übersetzerwoche widmete sich den Übersetzungen nichteuropäischer Autoren. Die Veranstaltung spannte einen Bogen von Indien mit dem Autor Uday Prakash und seinem Werk "Doktor Wakankar. Aus dem Leben eines aufrechten Hindus" über Hawai mit Kaui Hart Hemmings "The Descendants" und Buenos Aires und Mariana Enriquez "Verschwinden" bis nach Angola und dem Roman "Das Lachen des Geckos" von José Eduardo Agualusa. 

Die Übersetzer André Penz, Adelheid Zöfel, Simone Reinhard und Michael Kegler trugen Auszüge aus den Werken vor und waren mit den Besuchern bei Kaffee über die Spannung zwischen Fremdheit, Unkenntnis, Vermittlung und Stereotype im Gespräch.

Lesung: Wodka für den Torwart

Schamma Schahadat und Tanja Maljartschuk

Claudia Dathe

Sollen europäische Politiker den Besuch der EM in der Ukraine boykottieren? Angesichts der Misshandlungen der früheren Premierministerin der Ukraine stand diese Frage zur Diskussion in der Veranstaltung "Wodka für den Torwart" am 12. Mai im Stadtmuseum. Die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk sprach sich für einen Boykott aus, um dem korrupten und diktarorischen Präsidenten Janukowytsch die Legitimierung zu verweigern. Erhellend waren auch die Ausführungen zur Struktur des Vereinsfußballs in der Ukraine und zur Protestbewegung "Femen".

Übersetzermatinée: Buchstaben flammen auf den Fassaden

Rainer G. Schmidt
Wolfgang Schlüter im Gespräch mit Michael Raffel

Wie sich bei William Wordthworth und Herman Melville Sprachkraft in Poesie entfaltet, konnten die Besucher in der Übersetzermatinée am 13. Mai im Hölderlinturm erleben. Die beiden Übersetzer Wolfgang Schlüter und Rainer G. Schmidt stellten die Autoren vor und gaben in betont rhythmisierten Lesungen Kostproben des poetischen Klangs im Deutschen.